Dienstag, 11. Mai 2010

100 Tage - 100 Fotos

Heute ist der 100. Tag in Poitiers. Eigentlich ist das glatt schon gelogen, denn ich war ja nicht wirklich alle Tage hier, aber aus rein dramatischen Gründen habe ich die Tage ab meinem Einzug am 28. Januar gezählt. Und das ergibt nach Adam Riese heute den einhundertsten Morgen.

Viel ist passiert. So viel, dass ich gar nicht schnell genug denken kann um es alles jetzt zu erzählen. Zwischenzeitlich war der Sommer hier. Es gab Sonnenbrand und Grillwürstchen. Jetzt gibt es leider nur Regenschirme und Schnupfnasen. Aber man weiß doch, der Mai, der Mai, der macht was er will...?! Ich habe besucht (Pariiiiiis!) und wurde besucht. Ich habe gekocht, getanzt, gelernt, getrunken, gesungen, geflucht, gefaulenzt, geschrieben, genossen, gelesen, noch mehr gelernt, noch mehr geflucht, gepackt, gezweifelt, geschlafen (!), gedacht, geatmet, gelebt und geliebt.

Heute genau in vier Wochen ist es vorbei. Das ist das Theater aus, der letzte Vorhang gefallen. Zu pathetisch? Korrekt! Deswegen blicke ich lieber lachend zurück auf die vergangenen 100 Tage. Mit 100 Bildern. Für Worte bin ich heute abend nämlich zu müde. Gute Nacht.
Ella


1 - Winterella vor der Notre Dame am Marktplatz von Poitiers



2 - mein Lieblingshaus, die "Toscana" auf meiner Jogginstrecke



3 - Sommeressen mit Laura



4 - Ella

... und 96 weitere im Fotoalbum. Bitte anklicken


Sonntag, 28. März 2010

The day the music returned...

Es war so still hier.

Dank www.deezer.com ist die Audiountermalung in den Hauptstadthimmel (hängt er voller Geigen?!?) zurückgekehrt. Leider läuft nicht alles, so wie ich es will, aber wir sind ja schließlich nicht in ner Demokratie, der Herr Deezer und ich. Also beuge ich in Ehrfurcht mein Haupt, lächele sanftmütig und genieße...

Viel Spaß ---------------------------------------------------->>>>>>>

Montag, 22. März 2010

And the oscar goes to...



Es war so glamurös... bebende Kleider, Kameras, Aufregung, Reden, Gewinner, Verlierer (!), ein genervter George Clooney...

Und das alles auf Louis' 17'' PC Bildschirm mit nur mittelmäßiger Streamgeschwindigkeit.

Das will ich doch niemandem vorenthalten.



Oscarnacht 2010 in lovely Poiters...







Werde ich nie vergessen!

E.

Montag, 15. März 2010

Il a fait froid, c'est pourquoi je suis rentrée plus tôt que prevu...

Man lernt französisch, möchte ich an dieser Stelle anmerken. Es ist noch relativ eingeschränkt aber immerhin!

Ansonsten lässt sich feststellen: Mein Poitiers-Leben ist wie eine Blase; es gibt keine Realität außerhalb der Stadtgrenze und wir Imcos (Ja, auch die Franzosen benutzen pseudo coole Abkürzungen, hier: International Marketing Communications) fühlen uns wie im Ferienlager. Ob nun Zechlinerhütte und Bungalows oder Poiters und Résidence, bis auf den Fakt, dass es anstatt Hagebuttentee meistens grässlich billig schmeckendes Bier gibt, ist es genau das Gleiche! Natürlich haben wir auch Vorlesung, aber hier bestätigt die Ausnahme eher die Regel. Eine Woche Vorlesung, eine Woche Projektarbeit. Also im Wechsel immer eine Woche anspruchsvoll, Konzentration, man kommt kaum mit und eine Woche "äh, wann haben wir noch mal Gruppentreffen? Aurélie hat bestimmt wieder verschlafen..."

Wer würde sich beschweren?!

Ich spreche jetzt ein, wie ich meine, delikates Thema an: Wetter! Man höre und staune, auch in Poitiers hat es in den letzten Wochen geschneit. Einmal, zwei Tage liegengeblieben.


Dass seitdem die Sonne scheint, der Frühling da ist, alles nach frischem Grün riecht und die Bäume langsam sprießen, lasse ich rücksichtsvollerweise weg...


(Zur Ablenkung:) Mein Negotiation-teacher sieht aus wie Robert Downey, jr.'s Bruder, oder???


Die Wochenenden lassen die außerfranzösischen Bewohner des pittoresken Städtchens langsam kreativ werden. Noch kalt, aber sonnig, wurde letzten Samstag gepicknickt im Parc Blossac. Brasilien (Laila) hatte geladen und Italien (Stefano), Spanien (Maria) und Deutschland (Thomas und Ich) kamen bepackt mit Pain und Fromage, Bier und (OBACHT:) Cous-cous salat!!!





(kein Kommentar zum "ur-französischen" Babybel bitte!)





Viel mehr passiert nicht. Ich atme jeden Tag, ich fühle das Leben, ich bin dramatisch und langweilig gleichzeitig, Ich weiß alles und nichts und manchmal bin ich einsam und manchmal ganz schrecklich glücklich, so dass ich fast platze, but I wouldn't want it any other way...

Zu guter Letzt: Das ist mein offizielles Escem-ICH. Meine Student-ID. Erkennt ihr mich noch?





Genug für heute?!

Poitiers-Prinzessin Ella





Montag, 15. Februar 2010

Old schoooool

Wochenendspaß in Poitiers



Eislaufen. Trotz Schnupfen. Riesenspaß.



Nach gefühlten 12 Jahren das erste Mal wieder auf Schlittschuhen zu stehen, birgt jedoch das eine oder ander Risiko

An dieser Stelle lohnt es sich Alexander A. Milne zu zitieren:

"Es kommt alles, nehme ich an, daher...", entschied er, als er sich vom letzten Ast verabschiedete, sich dreimal um sich selbst drehte und anmutig in einen Stechginsterbusch flog

Dieses Zitat, welches dem zauberhaften Pu, der Bär zugeordnet werden kann, hat mich mein Leben lang begleitet. Seit gestern weiß ich wovon gesprochen wird.

Es darf herzlich gelacht werden:



Kuss
Eislaufqueen Ella - Po - in - der - Luft!

Montag, 8. Februar 2010

Neue Heldin braucht das Land

Neues Land, neue Abenteuer, alte Heldin.

Na ja, die Abenteuer halten sich allerdings derzeit noch in Grenzen. Dazu ist der Ort des Geschehens, das zauberhafte (gallische?) Dörfchen "Poitiers" in Poitou-Charentes, zu verschlafen und verträumt. Aber ja, da wohnt unsere Heldin jetzt. Seit 8 Tagen, genaugenommen.

(Die vorhergehende Lücke zum letzten Beitrag wird an dieser Stelle vorsorglich und geflissentlich ignoriert. Cliff Notes: London immernoch super, Dublinreise, Abschlussprüfung, Koko, Weihnachten in München, Silvester auch, frohes neues Jahr, HausarbeitenMARATHON in Berlino, Fil & Sharkey, packen, London, Oxford, letzter Tanzschritt, wieder packen, los).

Am 28. Januar um 8:37 Uhr haben meine zwei Koffer und ich die "Villa" verlassen. Selbstverstädnlich hatte ich die Nacht vorher damit verbracht sämtliches Hab & Gut gleichmäßig in Riesenkoffer und Minikoffer zu stopfen. Ich kann auch sicher niemandem mehr zu London-Poitiers mit Ryanair raten, denn der spottbillige Flug (5 Pfund) ließ sich nur mit Mühe auf 2 Koffer a 15 Kilo erweitern (die mich dann knackige 55 Pfund gekostet haben). Kurzum, nüscht hat jepasst. Ich habe meine halbe Garderobe der Marie-Curie-Cancerstiftung gespendet, bzw. noch mal einen Koffer gepackt und formvollendet in den Wandschrank meines Dachschlösschens gepresst, welcher nun also derzeit noch darauf wartet nachgeholt zu werden. Mit klitzekleinem Übergepäck hab ich mich also zum Ryanairschalter getraut. "Nö, geht nicht. zu viel" flötete mir die charmante Trane im Wurstoutfit in Firmenfarben Blau-gelb (ja, wie die Yuppies und Staubsaugervertreter mit ihren blauens Hemden und quietschegelben Krawatten) bestimmt entgegen. Ich bin ja immer für konstruktive Kritik offen.

Minikoffer und Handgepäck sind schon aus allen Nähten geplatzt, aber ich habe das Wunder vollbracht und noch 6 Tshirts untergebracht (im Ärmel meiner Jacke beispielsweise); nach erneutem Waagencheck waren es immer noch 16,4 KG. "na, wenn sie jetzt noch eine Jeans rausholen, dann lass ich ihn durchgehen". Heilige Kuh, wo soll ich denn jetzt noch ne Jeans unterbringen? Soll ich die essen?

Ja, mitten auf dem Londoner Stansted hab ich mir vor versammelter Mannschaft einfach eine zweite Jeans drüber gezogen. Kackegal. Stiefel aus - Jeans an. Grinsen. Weiter. Zwiebellook hat ne ganz neue Bedeutung bekommen. Aber immerhin waren die Koffer drin. (Gracey, das armer Hascherl, die auch mitgeflogen ist, hat für ihre 12 Kilo Übergepäck 300 Pfund über den Tresen geschoben. Nee, ehrlich, dann lieber Zwiebellook und Nilpferdoberschenkel)

Ich, getarnt als Nilpferd, habe es also tatsächlich nach Poitiers gebracht.

Das liegt übrigens hier:

Poitiers, France

klein, wa?!

Aber fein. Davon kann ich schon berichten. Aber nicht mehr jetzt, da ich morgen früh Uni habe. Ich verabschiede mich - Verbeugung - (hahahahhaaa, ick find mich selber manchmal zum Schreien komisch) mit ein paar Bildern:


Home - Résidence Michel Foucault


Meins...


...mit Blick...


...auf die Kathedrale



Sainte Hilarie - eine Station auf dem Jakobsweg nach Santiago



Le Lion amélioré - der verliebte Löwe
im Blossacparc





Uni


nächtliche Gruppenarbeit



bis ganz bald. Gruß aus P-O-I-T-I-E-R-S
Ella

Samstag, 14. November 2009

London - Tag 53

Plötzlich war er da. Mir nichts dir nichts kam er angeschlichen und dann war er auf einmal da. Der Herbst. Der Herbst in der Stadt.

Manchmal ist es ein schöner Herbst. Ein milder, mit vielen bunten Blättern und Sonnenstrahlen.

(Fotos durch anklicken vergrößern. Anschließend mit Zurücktaste zum Text zurückkehren.)


Manchmal aber kommt der Sturm. Dann klappern die Fenster und Zähne, und die Bäume rauschen tosend, wenn er geräuschvoll durch die Häuserschluchten fegt; Blätter fliegen und Fußgänger lehnen sich mit zugekniffenen Augen und wehenden Frisuren dem Widerstand des Windes entgegen. Heute ist so ein Herbsttag. Zusätzlich hat der Sturm heute Nacht den Regen mitgebracht. Mal wütend, mal zart hat er gegen meine großen Fenster getrommelt. Eines ist allerdings tatsächlich sehr beachtlich: Langweilig ist das Wetter nie. Nirgendwo wechselt es so schnell wie hier. Heute morgen hat der warme Wind die Wolken weitergeschoben und so bin ich jetzt trockenen Fußes in mein Samstag-morgen-Frühstückscafé gelangt. Aber der Sturm, der tobt draußen noch!

Tja, das Wetter. Bei uns ein Verlegenheitsthema in sinnlosen Konversationen. Hier ein landestypisches Phänomen welches gerne und ausführlich von Jederman besprochen wird. Es ist hier eben immer etwas Besonderes. So wie vor drei Wochen...

Brighton. 8 Damen aus dem Studiengang (eigentlich zu Beginn nur 7, denn die Canadierin Jen kommt generell zu spät und hat den Bus um gute drei Minuten verpasst. Sie kam zwei Stunden später mit dem nächsten Bus nach) haben sich an einem sonnigen Sonntag aufgemacht die Küste zu erkunden. Meinen Freund den Wind haben wir dort getorffen, vor allem aber viel Sonne, viel Lachen, viele Möwen ("Lachmöwen"?) und meine erste Portion Fish & Chips. Unsere zwei Starfotografinnen Steph (USA) und Isabel (Frankreich) haben alles in prächtigem Bildmaterial festgehalten:



Leider habe ich irgendwo meine Stimme verloren. Wer sie findet kann sie gerne an mich schicken: Ella in London!

Ansonsten haben sich die kurzweiligen kulturellen Ausflüge inzwischen auf ein Minimum reduziert. Das lodderige Studentenleben wurde von einem strickten Lernplan infiltriert. Überblick über die letzten 6 Tage: "5 Tage a 9 Stunden in der Bibliothek, lernen, lesen, Kommunikationsplan schreiben. Freitag Klausur." Alles ächzt und stöhnt, ich ächze und stöhne leiser, denn ich freue mich, dass sich mein unsteter Geist mit Gehaltvollem beschäftigen darf. Für mich ist es ein Spaß. Ein Spaß der vielleicht den Namen "Ernst", "Ehrgeiz" oder "Erfolg" trägt, aber dennoch in erster Linie ein ganz großer Spaß ist. (Gerade sind am Fenster des Cafés zwei Blumenpötte vorbeigeflogen und auf der anderen Straßenseite wurde ein Dreikäsehoch von einer Bö überrascht und hat daraufhin eine Pirouette hingelegt, die dem russischen Staatsballett würdig gewesen wäre). Die erste englische Klausur ist geschrieben, die Unkenntnis über das britische Notensystem aufgelöst (was es nicht besser macht!) und das Thema Internationale Marketing Kommunikation in alle möglichen Variablen zerlegt. Herrlich!

Für den einen oder anderen Besuch bleibt aber dennoch Zeit. So kamen Mutter und Patentante gleich in der ersten Woche um Stadt und Menschen (neu) zu erkunden. Später folgten entnervte aber verliebte Masterstudentinnen aus Berliner Zeiten, manche mit Tangovorlieben, andere mit von mir sehr geschätzten Kaffeevorlieben. Letzte Woche dann war Amir hier. Ihm habe ich das alles mehr oder weniger zu verdanken, er hat mich nämlich letztes Jahr auf den Studiengang gebracht. Amir, mein Held. Und ein gewisser filmaffiner Freund hat auch letzte Woche trotz Arbeit die Zeit für ein albernes und sehr wohltuendes Abendessen gefunden.

Wer kommt nächste Woche?

Aber ich rate euch: Überlegt es euch gut, denn vor zwei Wochen ist in London ein böser Geist umhergeschlichen. Muaaaaahhhahaaaaaaaa... Der Geist von HALLOWEEN! In Deutschland ein kläglicher Versuch mit einer amerikanischen Tradition Geld zu machen. Hier ist es gesellschaftlich beinahe verpönt NICHT mitzumachen. Trotz fehlender Stimme (was, wie sich später herausstellen sollte, sehr passend zum Kostüm war) wurden die Feierlichkeiten für die Nacht des 31. Oktober geplant.

Der Hilferuf eines Mitstudenten vier Stunden vor Beginn ("I don't have a costume, will you please help me?!") führte dazu, dass der Stables Market in Camden in einer Hau-ruck-Aktion geplündert wurde. Herauskam ein ganz passabler französischer Cowboy (aber den Franzosen kriegt man partout nicht aus ihm heraus!)


Eine Ladung frischer weißer Farbe im Gesicht und ein rot-schwarzes Tutu später war auch ich für die Nacht gewappnet. Ich präsentiere:

Der Cowboy und die tote Ballerina!



Die Nacht wurde mit Knastschwestern, Schneewittchen, ungläubigen Priestern, schwarzen Witwen, gefallenen Engeln und jeder Menge Teufel und Katzen verbracht.



Ich kann nicht glauben wie schnell die Zeit verfliegt. Ich will sie nicht vorbeiziehen lassen. Ich möchte sagen "Halt an, ich habe dich noch gar nicht genug genossen!" So sehr ich mir auch manchmal einen Tee zuhause auf der Couch wünsche, so tausendmal wird das aufgewogen von dem Gefühl genau zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Fast jeden Tag. (Seit einer Weile läuft Dean Martin im Café. Es ist zehn vor vier und draußen wird es langsam dämmrig. Die Autos haben schon Licht an und auf den Tischen wurden gerade die Kerzen angezündet. Neben mir sitzt eine bildschöne, zarte Frau mit kurzen dunklen Haaren in einem Burberry-Trench und liest offensichtlich ein Drehbuch...)

Wem das alles zu rosig und verklärt klingt, dem sei gesagt, dass ich um Himmels Willen nicht alles 24/7 fabelhaft finde. Ich genieße es, weil es eine anstrengende und aufwühlende, manchmal ermüdende, manchmal dreckige aber immer eine (er-)lebbare, sich verändernde und wahnsinnig echte Realität ist. Und weil ich manchmal nicht fassen kann, was für ein Glück ich gerade habe.

Bonne soirée tout le monde (mein Französischkurs zeigt erste Erfolge!)

London-Ella

(P.S.: Noch ein Hinweis in nicht ganz uneigennütziger Sache: Bitte geht euch "Das weiße Band" im Kino anschauen. Und wer sich den Spaß gönnen möchte, möge doch auch den Abspann schauen... :-))