Sonntag, 18. Juli 2010

...und wieder weg oder "Ella minus 1 Ipod. Grrrrr..."

Ich hatte recht. Irgendwann ist der in den französischen Wolken hängengebliebene Geist, ganz in Nachzüglermanier, auch in Berlin eingetroffen. Und nach der einen oder anderen rauhen Nacht habe ich doch tatsächlich meine Zuneigung, wenn auch noch nicht wieder von Liebe die Rede sein kann, für die Metropole wiederentdeckt. Der Sommer hat mir keine andere Wahl gelassen. WM, Hamburg-Besuch, Picknick aufm Walter, Peiner Hochzeiten (!), Hitze und entsprechende Gegenmaßnahmen, Mückenstiche, Weinschorlen, Fahrradfahren (juhuuuuu, endlich...) und ja, zwangsläufiges Kofferauspacken haben mich endgültig ankommen lassen.


Laurabesuch aus Hamburgien


Deutschland - Argentinien, Café am neuen See, 37 Grad (Lion, du siehst, bescheiden gesagt, recht dämlich aus auf dem Foto, mein Herzchen)


auch die Familie fiebert mit


Picknick mit Mädchen in Berlin

Joa, und dann war ich eigentlich soweit, dass ich mich schon fast an das schludrige "so-dazwischen-eben"-Leben hätte gewöhnen können, aber - um gerne auch mal wieder den Erhalt der Sprache zu unterstützen - da haben Sie sich wohl geschnitten, junges Fräulein. Also wieder nach London, mehrfach, allerdings nur mehr oder minder erfolgreich, um sagenhafte Literaturrecherche zu betreiben. Mit ganz großen Augen hatte uns unsere Seminar-tutorin Marwa das Thema "Masterarbeit" im letzten Jahr näher gebracht. Ständig hatte man das Gefühl gehabt, sie wolle durch bedeutende Pausen und wiederholten Androhungen von hahnebüchenen Konsequenzen bei Nichterbringung oder Schlechterbringung der erwarteten Leistung dem Ganzen etwas merkwürdig Mystisches beimessen.

Nun, nach meinen ersten Erfahrungen kann ich mit Fug und Recht behaupten, es hat etwas mystisches. In dem Sinne nämlich, dass ich nicht verstehe was mein Herr Dissertation-Betreuer eigentlich von mir will. Nachdem vom ersten Treffen als Quintessenz nur zu nennen wäre, dass das ja alles so mal ü-b-e-r-h-a-u-p-t-n-i-c-h-t geht was ich da präsentiere (Nicht wissenschaftlich genug. Zu schwammig. Sie wollen Journalisten interviewen? Tun sie das bloß nicht, die halten sich doch eh alle für den Nabel der Welt und sind schrecklich eingebildete Personen...), stehe ich mit meinem mystischen Problem nun erstmal ziemlich alleine da. Der gute Mann ist nämlich im Urlaub. Sei ihm gegönnt.

Nach einem, zum Glück sehr aufbauenden, Gespräch mit bereits erwähnter, großäugiger Tutorin verbringe ich nun meine Tage also in der muffigen Unibibliothek in der auch noch - na, wie sollte es auch anders sein - Bauarbeiten stattfinden und versuche mit den bruchhaften konstruktiven Kommentaren von Professor Urlaubsschön ein neues Thema zu basteln. Mal sehen wie das so wird.

Zum Glück bleibt noch ein bisschen Sommer für andere schöne Dinge in London und Umgebung...


Ausflug nach Cambridge



Größenwahn?


da hat er gelebt und studiert, der große Charles Darwin. Vielleicht färbt ja etwas auf mich ab...


Oh, und wir waren Stocherkahn fahren...

...wobei wir uns selbstverständlich ganz standesgemäß haben fahren lassen!



Das war höchstwahrscheinlich auch besser so. So manch Anderer hatte da doch Probleme bei der "Do-it-yourself"-Methode. Besonders schön, wenn die Hälfte der Utensilien im morastigen Boden stecken bleiben und die Mitfahrer mit hilflosen Paddelaktionen versuchen das Boot zu wenden. Herrlich, wie Frau versucht über eine Entfernung von geschätzen 6 Metern nach dem Stocher zu greifen.


Diese und ähnliche Momente sorgten für äußerst heitere Stimmung, verständlicherweise.


Zurück in London: Temple Church (Da vinci Code, anyone?) (Happy Birthday, Nil!)



King's College Library London. Ja, so hat doch eine Uni auszusehen.

Lunch auf den Stufen Saint Paul's'

Coffee with Grace and Gadis on Islington Green


Nur so, weil ich das richtig finde. Und wichtig finde.


Shoppen. (Und Yoga offensichtlich...) Ja, nein, vielleicht?!

Eingang zur Lloyds Filiale Strand


Und noch ganz viel mehr...

Sieht eigentlich doch alles nach Friede-Freude-Eierkuchen aus. Womit ich zu dem ärgerlichen Teil komme (ja, es schließt sich der Kreis zum drohend düsteren Titel). London ist voller Verbrecher. Räuber, Halunken, Diebe, Schufte, Kriminelle,... Nur so viel: Es ist tatsächlich ein WUNDER, aber mein Portmonnaie ist noch da, mein Schlüssel, mein Handy, meine Kamera, alles... aber seit gestern fehlt er. DER Ipod. Meiner. Stibitzt. Aus der Tasche raus. Zuhause hatte ich nur noch die Kopfhörer in der Hand. Trauriges Überbleibsel. Ich weiß nicht wie, nicht genau wo, aber irgendwann gestern nacht wurde ich beraubt. Tja, und nu isser weg. Der Gute. Dabei ist sogar mein Name eingraviert. Na, vielleicht finde ich ihn ja in ein paar Tagen bei eBay. Und kaufe ihn zurück ("So ein Zufall, da ist mein Name eingraviert...") Die erfolglose Suche heute (3 Stunden investigativer Spaziergang und unendliches Kopfzerbrechen) hat mich müde gemacht. Deswegen gehe ich jetzt auch ins Bett. Ist ja schon spät. Und die Bibliothek wartet auf mich.

Bonne nuit
a bienôt
La Ella

Donnerstag, 10. Juni 2010

Heimreise der Heimatlosen

Ich bin noch nicht bereit es anzuerkennen oder auszusprechen, aber leugnen wird in den nächsten Tagen schwierig werden. Kurz gesagt - es ist vorbei. Die Klausuren sind geschrieben, die Freunde verabschiedet, die Kücheneinrichtung verschenkt, die Koffer gepackt und der Zug bestiegen.




Bye Ladies, Bye blue gate, bye Poitiers...



heartwarming



Ich bin jetzt also wieder Berlin. 33 Grad und Sonne. Es ist gnädig mit mir; präsentiert sich von seiner schönsten Seite. Ganz weit auf hat es seine Arme gemacht. Und selbst im Zoo (Ja, erste Amtshandlung: Jahreskarte vom Zoo besorgt) ist die Liebe ausgebrochen. Knut ist schwer verliebt am Planschen mit seiner italienischen Gespielin, die Strauße haben letzte Woche die Eierschalen genackt und kleine Federbälle (OBACHT, man bemerke den Wortwitz) geworfen und die Nashörner,... na die üben noch.









Ich mag noch nicht viel erzählen, weil ich zwar physisch, jedoch noch nicht vollkommen geistig wieder hier bin. Jeder Tag wird das langsam ändern und ich weiß, meine Erinnerungen kann mir keiner mehr nehmen.

Ich mache mich jetzt notgedrungen an die nächste Herausforderung - Koffer auspacken. "Koffer" ist plural in diesem Fall. Nervt jetzt schon.


Geht später jemand mit mir Schwimmen?! Im Sommergewitter?

Es küsst
Ella

Dienstag, 1. Juni 2010

Ausnahmezustand

Der Begriff Ausnahmezustand hat mehrere Bedeutungen. Die relevantesten ihrer Art werden im Folgenden genauer beleuchtet.

1. 'Als Ausnahmezustand wird ein Zustand bezeichnet, in dem die Existenz des Staates oder die Erfüllung von staatlichen Grundfunktionen von einer maßgeblichen Instanz als akut bedroht erachtet werden.' So so, das sagt also Wikipedia dazu; oder eben Lieschen Müller auf Wikipedia. Hat mit meiner aktuellen Situation reichlich wenig zu tun. Horsts Rücktritt möchte ich dann doch nicht so viel Bedeutung beimessen.

2. Der Duden hat in seiner Definition einen Verweis, der mich schon eher aufhorchen lässt: a) →vgl. Ausnahmesituation; b) (Staatsrecht) in Ausnahmesituationen, wie sie z. B. durch...

Eine Ausnahmesituation. Tja, was ist eine Ausnahmesituation?

Wenn der FC Bayern im Championsleaguefinale gegen Inter antritt mit der einmaligen Chance auf einen Triple-Sieg in allen entscheidenden Wettbewerben? Hm, oder doch eher die vier deutschen Mädels, die sich im sommerlichen Poitiers nach einem gemütlichen Grillabend (dank moderner Technologie im Freien und auf Kristinas Mäusekino Laptop mit ruckeligem Livestream, aber man will ja nicht mosern) von genau dieser Begegnung dankend vom Lernen abhalten lassen:


Kinder, die WM geht in 10 Tagen los, also muss ja schon mal geübt werden!

Ein andere Ausnahmesituation ist die, dass heute Weltkindertag ist. Ich bin allerdings dafür, dass das jeden Tag der Fall sein sollte, also küsst und herzt eure Kinder, seid nicht allzu böse heute mit dem kleinen Jan, wenn er die Keramikvase zerdeppert und streichelt der vierjährigen Heulsuse vor dem Eisstand mit einem Lächeln über die Stirn. Und liebt eure Kinder. Selbst wenn sie schon 27 Jahre alt sind. Und: da tut ein Eis auch manchmal gut. Wir lieben euch nämlich auch. Jeden Tag.

Manche Menschen haben auch heute Geburtstag. Für die ist heute auch Ausnahmezustand. Alles Gute, mein Herz!

Und für mich, ja für mich ist Ausnahmezustand, weil ich eigentlich irgendwo zwischen hier und dort bin, in einer Woche schon wieder umziehe, parallel jeden Tag und jede Nacht lerne, Kaffee zwischendrin intravenös zu mir nehme, Dinge über New Media Marketing weiß, deren Existenz nicht nur zweifelhaft sondern auch bedingungslos unnötig ist (Die SMCRE- Formel???), und in einem Klausurmarathon ab morgen in 3 Tagen 6 Klausuren schreiben muss. Aber so ein Doppel-master Degree wird einem ja schließlich nicht hinterhergeworfen. (?) Jedenfalls macht es Spaß! Ich wage zu behaupten, dass ich mit dieser Ansicht im gesamten Studiengang eine Minderheiten-Position einnehme, aber das ist mir doch wurscht. Es ist alles genau richtig für mich, ich genieße es. Es ist das letzte Mal und wenn am Freitag der Sommer zurück nach Poitiers kommt, dann gehe ich um 16 Uhr aus meiner letzten Klausur raus, sitze in der Sonne und sage mir "Das haste fein gemacht, Mädchen!" Ganz egal, wie die Klausuren laufen. Ich liebe es jetzt schon. Jeder kennt das Weg-Ziel-Sprichwort. Ick weiß jetzt was die meinen!

Meine neue Berufsbezeichnung ist übrigens "Experience-Collector". Ich "collecte" jetzt noch bisschen weiter.

Ella, die Große


P.S.: Daumen drücken ab morgen früh wird sehr gerne genommen, trotz der positiven Einstellung. So unrealistisch bin ich dann doch nicht...


Dienstag, 11. Mai 2010

100 Tage - 100 Fotos

Heute ist der 100. Tag in Poitiers. Eigentlich ist das glatt schon gelogen, denn ich war ja nicht wirklich alle Tage hier, aber aus rein dramatischen Gründen habe ich die Tage ab meinem Einzug am 28. Januar gezählt. Und das ergibt nach Adam Riese heute den einhundertsten Morgen.

Viel ist passiert. So viel, dass ich gar nicht schnell genug denken kann um es alles jetzt zu erzählen. Zwischenzeitlich war der Sommer hier. Es gab Sonnenbrand und Grillwürstchen. Jetzt gibt es leider nur Regenschirme und Schnupfnasen. Aber man weiß doch, der Mai, der Mai, der macht was er will...?! Ich habe besucht (Pariiiiiis!) und wurde besucht. Ich habe gekocht, getanzt, gelernt, getrunken, gesungen, geflucht, gefaulenzt, geschrieben, genossen, gelesen, noch mehr gelernt, noch mehr geflucht, gepackt, gezweifelt, geschlafen (!), gedacht, geatmet, gelebt und geliebt.

Heute genau in vier Wochen ist es vorbei. Das ist das Theater aus, der letzte Vorhang gefallen. Zu pathetisch? Korrekt! Deswegen blicke ich lieber lachend zurück auf die vergangenen 100 Tage. Mit 100 Bildern. Für Worte bin ich heute abend nämlich zu müde. Gute Nacht.
Ella


1 - Winterella vor der Notre Dame am Marktplatz von Poitiers



2 - mein Lieblingshaus, die "Toscana" auf meiner Jogginstrecke



3 - Sommeressen mit Laura



4 - Ella

... und 96 weitere im Fotoalbum. Bitte anklicken


Sonntag, 28. März 2010

The day the music returned...

Es war so still hier.

Dank www.deezer.com ist die Audiountermalung in den Hauptstadthimmel (hängt er voller Geigen?!?) zurückgekehrt. Leider läuft nicht alles, so wie ich es will, aber wir sind ja schließlich nicht in ner Demokratie, der Herr Deezer und ich. Also beuge ich in Ehrfurcht mein Haupt, lächele sanftmütig und genieße...

Viel Spaß ---------------------------------------------------->>>>>>>

Montag, 22. März 2010

And the oscar goes to...



Es war so glamurös... bebende Kleider, Kameras, Aufregung, Reden, Gewinner, Verlierer (!), ein genervter George Clooney...

Und das alles auf Louis' 17'' PC Bildschirm mit nur mittelmäßiger Streamgeschwindigkeit.

Das will ich doch niemandem vorenthalten.



Oscarnacht 2010 in lovely Poiters...







Werde ich nie vergessen!

E.

Montag, 15. März 2010

Il a fait froid, c'est pourquoi je suis rentrée plus tôt que prevu...

Man lernt französisch, möchte ich an dieser Stelle anmerken. Es ist noch relativ eingeschränkt aber immerhin!

Ansonsten lässt sich feststellen: Mein Poitiers-Leben ist wie eine Blase; es gibt keine Realität außerhalb der Stadtgrenze und wir Imcos (Ja, auch die Franzosen benutzen pseudo coole Abkürzungen, hier: International Marketing Communications) fühlen uns wie im Ferienlager. Ob nun Zechlinerhütte und Bungalows oder Poiters und Résidence, bis auf den Fakt, dass es anstatt Hagebuttentee meistens grässlich billig schmeckendes Bier gibt, ist es genau das Gleiche! Natürlich haben wir auch Vorlesung, aber hier bestätigt die Ausnahme eher die Regel. Eine Woche Vorlesung, eine Woche Projektarbeit. Also im Wechsel immer eine Woche anspruchsvoll, Konzentration, man kommt kaum mit und eine Woche "äh, wann haben wir noch mal Gruppentreffen? Aurélie hat bestimmt wieder verschlafen..."

Wer würde sich beschweren?!

Ich spreche jetzt ein, wie ich meine, delikates Thema an: Wetter! Man höre und staune, auch in Poitiers hat es in den letzten Wochen geschneit. Einmal, zwei Tage liegengeblieben.


Dass seitdem die Sonne scheint, der Frühling da ist, alles nach frischem Grün riecht und die Bäume langsam sprießen, lasse ich rücksichtsvollerweise weg...


(Zur Ablenkung:) Mein Negotiation-teacher sieht aus wie Robert Downey, jr.'s Bruder, oder???


Die Wochenenden lassen die außerfranzösischen Bewohner des pittoresken Städtchens langsam kreativ werden. Noch kalt, aber sonnig, wurde letzten Samstag gepicknickt im Parc Blossac. Brasilien (Laila) hatte geladen und Italien (Stefano), Spanien (Maria) und Deutschland (Thomas und Ich) kamen bepackt mit Pain und Fromage, Bier und (OBACHT:) Cous-cous salat!!!





(kein Kommentar zum "ur-französischen" Babybel bitte!)





Viel mehr passiert nicht. Ich atme jeden Tag, ich fühle das Leben, ich bin dramatisch und langweilig gleichzeitig, Ich weiß alles und nichts und manchmal bin ich einsam und manchmal ganz schrecklich glücklich, so dass ich fast platze, but I wouldn't want it any other way...

Zu guter Letzt: Das ist mein offizielles Escem-ICH. Meine Student-ID. Erkennt ihr mich noch?





Genug für heute?!

Poitiers-Prinzessin Ella